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Reiner´s Pferde und Frodo

Ein Porträt gemalt von einer ehemaligen Reitschülerin - anläßlich Reiners Geburtstag. Vielen lieben Dank! ;-)

 

Cahokia ist für uns ein gelebter Traum!

 

Der eine oder andere Reitschüler erzählt, wie es ihm oder ihr bei uns ergeht.

 

 

Interview mit Ute Oley-

Veröffentlichung im Wochenspiegel vom 24.06.2017 - 

Der Artikel widmet sich sehr ausführlich unseren Zielen, Herangehensweisen und Intentionen.

 

Wochenspiegel vom 24.06.2017
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Corinna W. schrieb:

 

Ich habe meine bis dahin schlummernde Liebe zum Pferd erst mit Ende 20 entdeckt, was für viele Reitställe ein sehr spätes Einstiegsalter darstellt. Ich versuchte mein Glück zunächst in einem "klassischen" Reitstall in Berlin im Rahmen eines Semesterkurses. Der Lehrer stand in der Mitte, brüllte einem Dinge zu, die man entweder nicht verstand oder keinen Plan hatte, wie man diese umsetzen sollte und ich ging oft frustriert aus der Stunde. Noch dazu hatte ich das Gefühl, weder den Kursteilnehmern noch den Pferden wurde ein größeres Maß an Respekt entgegengebracht.
Nach einem heißen Sommertag sollten wir Kursteilnehmer unser Pferd nach der Stunde an der Pferdedusche mit Wasser abspritzen. Unsere hübsche Stute freute sich sichtlich über die Abkühlung und schlabberte genüsslich am Wasserstrahl und da wurde mir plötzlich klar: Die Zuwendung zu diesem großartigen Tier war das, was ich eigentlich beim Reitsport gesucht hatte! Und nicht das Pferd wie ein Sportgerät aus der Box zu holen und nach der Reitstunde dorthin zurückbringen und in der Zwischenzeit überfordert im Sattel zu sitzen und keine Ahnung zu haben, was in dem Lebewesen unter mir eigentlich vorgeht. Als die letzte Reitstunde vorbei war, dachte ich "Wenn man das Reiten nur so lernen kann, vielleicht ist es dann einfach nichts für mich". Dennoch riss meine Neugier und meine Tierliebe nicht ab und ich stolperte im Netz über Cahokia und gab dem Projekt "Pferd" eine letzte Chance. Und es war ein Volltreffer!
Zunächst fiel mir auf, dass auf dem Hof alle sehr freundlich zueinander waren und dass man, aus der hektischen Großstadt von Uni / Arbeit kommend, sofort "entschleunigt" wurde. Der Unterricht bei Ute war ganz anders als der meines Semesterkurses, viel angenehmer, kein brüllen sondern reden, mit viel Wertschätzung und auch Genügsamkeit, wenn man mal einen Tag hatte, auf dem man auf dem Pferd einfach nur zur Ruhe kommen wollte. Und die Ausritte in die Natur waren herrlich und eigentlich genau das, was ich bei der Vorstellung vom Reiten als Bild im Kopf hatte. Ute erklärte mir, dass viele Verhaltensweisen aus "klassischen" Reitschulen unhinterfragt Überbleibsel vom Militärreiten sind und oft auf Kosten von Pferd und Reiter gehen. Ich war sichtlich verdutzt, als sie mir erzählte, dass die kleine Luzy (mittlerweile ist sie im wohlverdienten Ruhestand) seit 15 Jahren zuverlässiges und fleißiges Schulpferd ist, wo mir doch der Reitlehrer zuvor erzählt hatte, dass Pferde maximal 2 oder 3 Jahre im Schulbetrieb gehen können, da sie danach verbraucht seien.
Was ich bei Cahokia am allermeisten gelernt habe ist, dass Dinge auch einfach anders gehen. Und das ist toll. Ich bin sehr froh und dankbar, dass mir der Verein die fast verschlossene Türe zum Pferd weit geöffnet hat (mittlerweile habe ich mein eigenes Pferd im Verein stehen) und die Tiere mich jedes Mal wieder aufs Neue begeistern können!

 

 

Alex S. schrieb:

 

Als Reitanfängerin mit 27 bin ich für viele andere Reitschulen fast schon zu alt. Bei Cahokia spielt das überhaupt keine Rolle: Egal ob ich Anfängerin oder Wiedereinsteiger bin – ich werde da abgeholt, wo ich stehe. Der Kontakt mit anderen Pferdefreunden ist bei uns sehr freundschaftlich und kollegial. Wir treffen uns nicht nur zu den Reitstunden sondern auch zum regen Austausch und freundlichen Miteinander und sehen gemeinsam den Pferden beim toben zu. An Tagen, die beruflich vielleicht mal schlecht laufen, habe ich bei Cahokia die Möglichkeit abzuschalten, auf andere Gedanken zu kommen und mit den Pferden den Tag ausklingen zu lassen. Das ist nur eine kleine Auswahl an Punkten warum ich so gerne Cahokianerin bin!

 


 


Cahokia – oder: wie ich mein Glück wiederfand…

 

Mein Name ist Katja (geboren 1984) und ich hatte im 13. Lebensmonat einen Schlaganfall. Ich schreibe das hier nicht, weil ich auf die Tränendrüse drücken will; es ist wichtig, damit ihr meine Geschichte versteht.

Den ersten Kontakt mit Pferden hatte ich, als meine Mutter mich auf eine Ferienreise für Mädchen zu einem Reiterhof schickte, da war ich ca. 10 Jahre alt. Ich war total begeistert und kurz bevor die besagte Reise zu Ende war, war mir klar: DAS IST MEIN DING!!! Bis zu meinem 16. Geburtstag verbrachte ich regelmäßig die eine oder andere Woche auf einem Reiterhof. Nachdem ich dann „mein Leben gemeistert hatte“, ausgezogen war und „nur noch“ arbeiten musste, hatte ich wieder das Bedürfnis, mich diesem Hobby zu widmen. Ich suchte mir im Internet die Reitgelegenheiten in der näheren Umgebung und begann dort vorstellig zu werden.

Das war eine recht enttäuschende Zeit für mich. Denn entweder wollte man mich nicht, oder mir gefiel der jeweilige Hof nicht. Zwischenzeitlich nahm mich eine Freundin mit zu ihrem Reiterhof. Aber auch dort hatte ich nie das „Zuhause-Gefühl“.

Als ich Ende 2013 durch Zufall auf den Internetauftritt von der Reitschule Cahokia stieß, war mir klar: hier MUSS ich mich mal vorstellen gehen!!! Gesagt getan.

Vor meiner ersten Reitstunde war ich so nervös; doch Ute hat von Anfang an mit sehr viel Geduld, Charme und Witz mit mir gearbeitet. Es gibt bei Ute nicht das übliche „Hacken runter, Schultern zurück…“

Es geht viel um Fühlen und in sich hineinhorchen, zu lernen die Hilfen aus der Körpermitte heraus zu geben. Somit ist es Ute völlig egal, dass ich eine Einschränkung habe. Viel mehr noch: manchmal habe ich das Gefühl, dass es für sie ein Ansporn ist, grade deswegen trotzdem das Beste aus mir herauszuholen. Und ich muss sagen, das kann sie sehr gut!!!

Die bisher schönste Reitstunde hatte ich, als Ute mir beibrachte, wie ich ohne großes „zerren und ziehen“ mein Pferd dazu bringen kann sich rückwärts zu richten. Als wir beide (Titania und ich) diese Aufgabe dann ganz alleine gemeistert hatten, fiel so ein Brocken Erleichterung von mir, dass auch Titania sich so sehr entspannte und ich ein Muskelzucken unter mir wahrnehmen konnte. Als ich an diesem Tag vom Pferd stieg und Ute vor Dankbarkeit um den Hals fiel, kämpfte ich echt mit den Tränen (ja, ich bin ein Gefühlsmensch ).

Mir bedeutet es so viel, dass ich hier einen Ort mit lauter freundlichen Menschen gefunden habe und wir alle noch dasselbe Hobby - PFERD - haben! Immer wenn ich hier bin, ist es für mich wie ein kleiner Kurzurlaub.

Nun bin ich „Zuhause“ angekommen! Ich hoffe, dass noch viele tolle, gemeinsame Jahre folgen werden.

 


 

Wie so viele habe auch ich (Franziska) meine Kindheit zum großen Teil auf dem Reiterhof verbracht. Nach vielen Jahren ohne Pferde hatte ich mit 32 wieder Lust bekommen, das Reiten noch einmal auszuprobieren. Es war gar nicht so einfach, als Erwachsener eine passende Reitschule zu finden, aber was ich bei Cahokia auf der Website gelesen habe, hatte mir sofort gefallen - kein Leistungsdruck, faires Miteinander, Reiten nicht nur auf, sondern vor allem mit dem Pferd, und all das sollte auch noch Spaß machen.

 

Meine erste Reitstunde hat mich dann auch wirklich überrascht. Den Sattel nahm Ute mir quasi gleich wieder aus der Hand, und so lernte ich in den ersten Stunden zunächst einmal ohne Sattel zu fühlen, was das Pferd unter meinem Hintern da eigentlich so alles tut. Sie hat sich sehr viel Zeit genommen und geschaut, wie ich so auf dem Pferd saß (ziemlich unentspannt), was von meinen Reitkünsten noch übrig war (nicht viel) und wie es um meine Kenntnisse der "Pferdesprache" bestellt war (recht mager). So gehörte zum Beispiel Bodenarbeit zu den ersten Dingen, die ich ganz neu lernte. Klar dachte ich, so ein Pferd schon irgendwie führen zu können, aber Ute zeigte mir, wie wichtig die Kommunikation zwischen Pferd und Reiter dabei ist, damit das Pferd versteht und genau das tut, was ich von ihm will, aber auch seine Reaktion darauf deuten kann. Sich Respekt verschaffen und sich sanft, aber bestimmt durchsetzen war etwas, das ich dann auch gleich in meinen Alltag integrieren konnte.

 

Das ist überhaupt eines der Dinge, die mir hier besonders gefallen: Man lernt nicht nur Reiten, sondern alles, was für den Umgang mit Pferden wichtig ist - Haltung, Anatomie, Sozialverhalten, Charaktereigenschaften etc. Manchmal reicht es einfach, sich gemeinsam in die Sonne zu setzen und eine halbe Stunde dem Treiben auf der Koppel zuzusehen, um etwas über die Tiere zu lernen. Auch beim Reiten erklärt Ute immer wieder, wie bestimmte Bewegungen und Haltungen auf das Pferd wirken - Achtsamkeit wird hier großgeschrieben. Dass es den Pferden gut tut und sogar Spaß macht, merkt man ihnen an. Die Belohnung sind entspannte und zufriedene Schulpferde, die gerne mitmachen und auch für eine Kuschelpartie nach der Stunde zu haben sind.

 

Toll sind die vielen Übungen und Bilder, die Ute parat hat, um uns immer wieder sanft in den richtigen Sitz zu "lotsen" und die Lektionen zu üben. Da kann es auch schon mal sein, dass wir vor der Stunde Trampolin springen oder hüftwackelnd über den Reitplatz spazieren. Kasernenhofton, den man aus vielen Reitschulen kennt, gibt es bei Cahokia nicht, ebenso wenig wie Zwang, Druck oder sogar Angst. Es wird viel gelacht, man motiviert sich gegenseitig und wenn mal bei einer Übung der Wurm drin ist, entspannt man sich, geht noch eine Runde ins Gelände und versucht es beim nächsten Mal wieder. Und wenn wir am Ende der Stunde mal wieder Fangen spielen, bleibt vor lauter Lachen sowieso kaum noch einer auf dem Pferd. Natürlich reiten wir auch regelmäßig aus, sogar als Anfänger darf man im Schritt mit in das schöne Gelände rings um den Hof.

 

Nach der Reitstunde darf man gerne mit anpacken, wenn man Lust hat - Abäppeln, Füttern, den kleineren Reitschülern beim Satteln helfen. Oder einfach in der Sonne sitzen und noch ein bisschen quatschen, Rehe beobachten, Katzen streicheln und die Natur genießen.

 

Franziska M.

 
 
 

Ich bin Kathrin, Jahrgang 69, und habe oft mit den Gedanken gespielt, wieder einmal zu reiten. Immer wieder habe ich es verworfen. Zum einen aus Angst, es könnte etwas passieren, denn eine kindliche Unbedarftheit hat man als Erwachsener ja leider nicht mehr, zum anderen machte ich mir Gedanken, wie man mich anschauen wird, wenn man kein Gardemaß, sondern einige Kilos zu viel auf den Hüften hat. Lässt man mich überhaupt reiten? Oder wird man mich schief anschauen und auslachen? Würde ich es überhaupt noch körperlich schaffen, auf ein Pferd raufzukommen?! Auch wenn ich als Kind regelmäßig geritten bin, war ich nie eine besonders gute noch ehrgeizige Reiterin, für mich zählte insbesondere der Umgang mit Pferden und das suchte ich.

Im Jahr 2005 bin ich dann durch eine Freundin auf Cahokia aufmerksam gemacht worden. Ich war ein bisschen aufgeregt bevor ich die ersten Worte mit Ute wechselte. Ich äußerte gleich meine ganzen Bedenken. Doch schon nach einem kurzen Gespräch nahm sie mir durch ihre lustige und freundliche Art meine Angst und bevor ich mich versah, hatte ich ein Halfter in der Hand und durfte ein Pferd von der Weide holen. Nachdem ich es geputzt und unter Anleitung aufgezäumt hatte, saß ich nach etlichen Jahren wieder auf einem Pferd. Mein Aufstieg aufs Pferd war natürlich nicht gerade das, was man sportlich nennt, auch wenn auf Cahokia jeder Reiter mittels Aufstiegshilfe aufsteigt. Man ging ganz unkompliziert mit mir um, auch als ich beim zweiten Besuch auf Cahokia beim Aufsteigen gleich wieder auf der anderen Seite runterplumpste. Niemand lachte mich aus!

So merkte ich sehr schnell, dass Cahokia ganz anders als alle anderen Höfe war, die ich bisher kannte.

Mir gefällt es besonders, dass die Pferde nach einer Reitstunde nicht gleich dem nächsten Reitschüler übergeben werden, sondern dass in der Regel die Pferde von jedem Reitschüler selbst von der Koppel geholt als auch wieder raufgebracht werden. Die Pferde haben auch immer Pausen zwischen den Reitstunden oder Ausritten. Man putzt das Pferd, sattelt und tränst es alleine auf und es ist immer jemand da, der behilflich ist. Jeder Reitunterricht oder Ausritt ist etwas Besonderes und kein Unterricht gleicht dem anderen. Was für mich ganz wichtig ist, ich muss nichts machen, was ich mir nicht zutraue.

Jedoch werden die Schwächen, die jeder Einzelne hat, mit Einfühlungsvermögen gemeinsam angegangen und insbesondere Ute hat ein Gespür dafür wenn man etwas nicht mag oder sich nicht traut oder man auch einfach nur mal einen schlechten Tag hat.

Man wird weder ausgelacht noch gemaßregelt, wenn mal etwas nicht klappt, es wird sowohl mit den Pferden als auch mit den Reitern in einer freundlichen Art umgegangen. Jeder wird so akzeptiert wie er ist.

Ein besonderes Highlight sind für mich die schönen Ausritte in die Natur, insbesondere wenn wir der Abendsonne entgegenreiten. Aber auch die winterlichen Ausritte im Schnee oder die morgendlichen Ausritte, wenn der Tau die Felder bedeckt, sind immer wieder ein Erlebnis. Man mag es kaum glauben, auch Ausritte im Regen machen auf Cahokia Spaß.

Genauso wichtig ist für mich, dass man nicht nur auf dem Pferd sitzt und reitet, sondern dass man auch noch nebenbei eine Menge rund ums Pferd erfährt. Man lernt etwas über die verschiedenen Pferdekrankheiten, aber auch über giftige Pflanzen, denen man überall mit dem Pferd begegnen kann. Was gibt es für Pferderassen, was für Haltungsarten, welches Futter,...?

Man kann auch mit anpacken, indem man z.B. beim Abäppeln der Koppel hilft, denn auch dabei kann man Spaß haben, vor allen Dingen geht es gemeinsam einfach schneller. Ob jung oder alt, es gibt hier nur ein Miteinander und das finde ich auch das Besondere an Cahokia, da gibt es keine zickigen kleinen Mädchen, die denken, Pferde und Hof gehören ihnen, keine eingebildeten Reiter, die denken, sie wären die besten Reiter überhaupt, alles ist so normal und man kann seine Freizeit einzigartig und auf eine ganz besondere Weise auf Cahokia verbringen.

 

Kathrin R.

 

Warum es für mich so wichtig ist, das ich die Reitschule Cahokia gefunden habe!

 

Eigentlich begann alles im Jahr 2002 – da wurde ich schwer krank. Ich hatte Brustkrebs und musste das ganze Programm mit Chemo und Bestrahlung durchstehen. Durch die Medikamente nahm ich in kürzester Zeit so um die 20 Kilo zu – aber ich stand es durch und ich wollte nach der Reha etwas für mich tun – etwas Besonderes, wo ich mir bisher keine Zeit für genommen hatte – oder nicht den Mut hatte „ ich wollte reiten lernen“.

Am Anfang ging ich mit einer Freundin mit – die ersten Stunden an der Longe waren o.K. obwohl es mir gar nicht gefallen hat, dass man auf das die Pferde schon immer „fertig“ da standen und dass man aufs Pferd „gewuchtet“ wurde. Es gab eine Aufsteigrampe aber die wurde nicht genutzt.

Gestört hat mich auch, dass man auf den Hof kam und noch nicht mal gegrüßt wurde, es war total unpersönlich. Dann kamen die Stunden in der Gruppe und da hatte ich als Anfänger die Aufgabe nicht vom Pferd zu fallen – mehr nicht. Das Pferd machte das, was der Vorgänger macht und Tipps, Hinweise oder Anweisungen gab es nur für die erfahrenden Reiter – nein, das war nicht meine Vorstellung und mein Wunsch, den ich mir erfüllen wollte.

Also forschte ich im Internet und las in einer Pferdezeitschrift einen Artikel mit der Überschrift „Reiten lernen ohne Angst“. In dem Artikel wurde die Reitschule Cahokia genannt, die sich durch Zufall auch noch bei uns in der Nähe befand. Ich habe mir also die Homepage angesehen und war schon mal begeistert.

Nun war ich aber schon vorgeschädigt und einfach hinfahren oder anrufen – das wollte ich nicht – also habe ich eine E-Mail geschrieben. Ich war ganz ehrlich, habe von meiner Erkrankung, meinem Gewicht und meinen bisherigen Erfahrungen geschrieben (und wie ich heute weiß, Ute damit zum Weinen gebracht).

Es kam eine super nette Antwort mit dem Vorschlag, dass ich doch einfach mal vorbei schauen sollte und das habe ich dann auch getan. Was ich sah, hörte und erlebte, hat mich total begeistert und bis heute nicht mehr losgelassen…

Dort waren nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Frauen in meinem Alter und nicht jede war Gertenschlank. Es gab für „alle“ Aufsteighilfen, damit der Pferderücken geschont wird. Jeder konnte sein Pferd selber putzen und satteln und damit den ersten Kontakt zu seinem Sportkameraden herstellen. Es war eine lockere und harmonische Atmosphäre die mir sehr gut tat.

Auch der Unterricht war ganz anders als ich ihn kennengerlernt hatte. Es wurde auf „jeden“ eingegangen – obwohl oder gerade weil jeder ein anderes „Können“ hatte. Zwischendurch gab es Gymnastik auf dem Pferd, was dazu beiträgt, sich sicherer auf dem Pferderücken zu fühlen und etwas für das Gleichgewicht zu tun.

Jede Woche ging ich mit Begeisterung zum Reiten und lernte immer mehr nette Menschen kennen, die die Begeisterung mit mir teilten.

 

Dann kam eine traurige Zeit, wo die Reitschule aufgelöst, die Pferde teilweise verkauft werden mussten und die Reitschüler sich in alle Winde zerstreut haben. Durch Ute habe ich eine Reitbeteildigung auf meinem „Lieblingspony“ bekommen. Und auch das war eine schöne Zeit. Mit Jana verstand ich mich super, obwohl der Altersunterschied zwischen uns gewaltig war und sie gerade erst ihr Abi machte. Sie gab mir weiterhin Reitunterricht und mein Sohn (dem es in der Reitschule immer zu viele Mädchen waren) kam auch mit und machte seine ersten Erfahrungen mit Pferden und auf dem Pferderücken.

Den Kontakt zu Ute habe ich nie aufgegeben und wenn wir uns auch nicht mehr so oft sahen, so haben wir wenigstens regelmäßig telefoniert.

Leider holte mich 2007 meine Krankheit wieder ein – ich erfuhr es an einem Tag (und ich denke, dass wollte das Schicksal so …) an dem ich mit Ute verabredet war. Statt uns zu sehen, musste ich ihr eine traurige SMS schicken.

Für mich folgte eine schwere OP, Chemo, Brustaufbau und wieder eine OP. Nach der Chemo wollten die Haare nicht mehr wachsen und Schmerzen waren mein ständiger Begleiter. Dass das Gewicht noch weiter in die Höhe stieg war beinah das kleinste Übel.

Und irgendwann frage mich Ute, ob ich nicht zum Hof kommen möchte und einen Ausritt auf Titania wagen wollte. Genau ein Jahr hatten wir uns nicht gesehen, nur telefoniert und Ute hatte mir nicht erzählt, dass auch für sie, dieses eine Jahr sehr schwer und traurig war. Ein Jahr nach meiner zweiten Diagnose stand ich wieder bei den Pferden auf der Weide…  Ich hatte fürchterliche Angst, nicht vor den Pferde – aber davor, dass ich merke, dass ich körperlich nicht mehr fähig zum reiten bin…

Dieser erste Ausritt war etwas ganz besonderes, dieses Gefühl, wieder auf einem Pferd zu sitzen, die Wärme zu spüren und das Vertrauen wieder zu bekommen, war wunderschön. Titania muss gespürt haben, dass es für mich etwas ganz besonderes war – sie war so ruhig, so behutsam und hat sich noch nicht mal von einem 1. Hilfe Hubschrauber oder einem Traktor aus der Ruhe bringen lassen. Na kurzer Zeit merkte ich, wie ich mich entspannen konnte.

In der folgenden Zeit war Reiten für mich wie eine Therapie. Körperlich sorgte das Reiten dafür, dass ich ein Gefühl für mein Gleichgewicht bekam, dass sich meine Muskeln wieder sanft aufbauten (was nicht heißt, dass ich nicht den einen oder anderen schlimmen Muskelkater hatte), dass sich meine Körperhaltung wieder verbesserte und das ich rund um einfach wieder fit wurde.

Was aber noch wichtiger war, das (Selbst)Vertrauen, was ich durch das reiten langsam wieder gefunden habe. Dass ich mich nicht mehr verkrochen, sondern wieder raus gegangen bin und Kontakte wieder aufgenommen habe. Ich habe erfahren, dass ich körperlich wie seelisch wieder belastbar bin und das hat mir besser geholfen, als jeder Arzt oder jede Behandlung, die ich nebenbei noch bekommen habe.

Seitdem freue ich mich jedes Mal, wenn „reiten“ auf meinem Kalender steht. Auch wenn ich noch mehr Sport mache, ist es immer noch „der“ Termin, der Körper und Seele gut tut.

Ich bin einfach froh und dankbar, dass es Ute und jetzt auch wieder die Reitschule Cahokia gibt.

 

Petra H. (Bem. des Cahokia-Teams: Mit großem Bedauern müssen wir anmerken, dass unsere Freundin Petra 2015 verstorben ist - uns aber versicherte, den Text weiter auf der Homepage belassen zu dürfen.)

 

 

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